Das neue Video von Alexander Lehmann (Du bist Terrorist).
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Wenn andere einem erklären wollen, wie es in der DDR war, sollte man besser dies hier lesen. Ein Fundstück aus dem halleschen Bezirksorgan Freiheit (mz): Es ist der Ketchup, der am meisten fehlt. „Meine Oma hat den so genial gemacht“, schwärmt Christian Vetter noch 20 Jahre nach dem Mauerfall. Der überspülte das Gebiet der ehemaligen DDR mit einer himmelhohen Welle aus echter Tomatensauce.
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Er (oder sie) klebt Kacheln. An Häuserwände in Halle (Saale). Dort tauchen immer wieder bemalte Fliesen und Kacheln auf. Die aufmerksamen Blogger von ppq haben die geheimnisvollen Botschaften nicht nur entdeckt, sie verfolgen und veröffentlichen auch jedes neue Kachelkunstwerk, das auftaucht. Sogar ein Kachelverzeichnis mit den Werken „Kachel Gotts“ (ppq) wurde jetzt angelegt. Doch der Kachelmann oder die Fliesenfrau bleiben weiter unerkannt. Denn die Botschaften tragen keine Signatur. Jedenfalls keine, die den Urherber/die Urheberin erkenntlich macht. Im Gegensatz zu funk25. Dessen Kacheln tragen immer sein spezielles Signum. Kacheln, die indessen auf der ganzen Welt Häuserwände verzieren.
Der vermutlich aus Weimar stammende Streetart-Kachel-Künstler antwortete in einem Interview mit der Süddeutschen auf die Frage, wo seine Kacheln denn überall hängen würden: Frag lieber, wo sie nicht hängen. Ich klebe überall in Deutschland. In Tokio, Istanbul, Kopenhagen, Belgrad, Krakau, Budapest. Zuletzt war ich in Tel Aviv. Auch in Leipzig kleben funk25-Kacheln. In Leipzig, ganz in der Nähe von Halle.
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Es ist schon seltsam und interessant, wie das Hirn so funktioniert. Da sieht man einen Ort wieder, aus der Jugend, und schon fallen einem alle relevanten Erinnerungen dazu ein. Es war ein Besuch im Spreepark im Plänterwald. Der ehemalige Betreiber plauderte über sich, seine schlimmsten Fehler, seine Familie, Kokain-Schmuggel, Knast und über die Zeit, die jetzt kommen soll. Eine Familiengeschichte ohne Gleichen, ein Schicksal aus Berlin. Eine Schuasteller-Geschichte mit viel Rummel.
Und das war das Stichwort. Rummel. Bei uns damals in Halle war der Rummel immer auf dem großen Platz vor der Eissporthalle. Da haben wir uns getroffen, weil um die Ecke sowieso unser täglicher Treffpunkt war. Auf der Peißnitz, hinten bei den Tischtennisplatten. Der Rummel jedenfalls zog uns an. Da konnte man an den Schieß- und Wurfbuden den seltenen Mehrfrucht-Tischwein erspielen, gelangweilt am Autoscooter rumstehen oder sich mit Mädchen treffen.
Eines Tages traf ich auch eine Mitschülerin. Verschossen war ich in sie, verliebt vielleicht auch. Aber aus heutiger Sicht war es eher “verknallt”, wie wir damals sagten. Wir gingen noch zur Schule und ich wusste, dass sie dort war, weil ER dort war. ER war aus einer höheren Klasse. Aber ich hatte mich gegenüber meinen Freunden geäußert, heute würde man vielleicht “geoutet” sagen, dass ich sie gern als meine Freundin hätte.
Die Freunde sagten dann zu mir, auf einer Wiese neben dem Rummel: He, geh hin, und frag sie einfach. Ich war sehr unsicher, denn ER war auch auf dem Rummel. Aber ich habe es getan. Irgendwann, später am Abend, ging ich hin und fragte sie. Ja, ich fragte sie, genau mit diesen Worten: Willst Du mit mir gehen? Nicht etwa: Ich mag dich. Oder Ich bin ich dich verknallt. Nein, ich fragte sie: Willst Du mit mir gehen.So einfach funktionierte das damals.
Und, seit dem Rummelbesuch im Plänterwald, weiß ich es wieder ganz genau. Ich hatte es längst vergessen, aber Sie sagte: JA. Und ich? Ich ging, nach dieser Antwort, wieder zurück zu meinen Freunden. Aus Angst vor dem, was da jetzt kommen könnte oder ich weiß nicht mehr warum. Ließ sie einfach da so stehen, mit der Antwort, mit dem, was da kommen könnte. Aber ich hatte nicht mit den Freunden gerechnet.
He, sagten sie, geh hin, du kannst sie doch jetzt nicht so einfach stehen lassen. Und ich bin dann wieder zu ihr hin. Vorsichtig fragte ich noch einmal nach, ob sie es denn auch so gemeint hätte, wie gesagt. Ja, na klar, oder so ähnlich antwortete sie. Ich fasste Mut und nahm sie an der Hand. Wie selbstverständlich gab sie mir ihre Hand, umarmte mich und gab mir einen Kuss. Ich flog davon, auf sieben Schwingen und Mehrfruchtwein und Glück.
Wir waren einige Zeit ein Paar. Ich habs dann irgendwann versaut. Hab irgendwelche blöden Sprüche gemacht, ich weiß es nicht mehr so genau. Aber die Zeit mit ihr war schön. Denn wir waren jung und “verknallt” (zumindest ich)…
Seit dem Ende der Schule habe ich nichts mehr von ihr gehört. Bis neulich. Ich bekam eine Nachricht von einem Klassentreffen-Wiedersehens-Ich-suche-Dich-Portal im Internet. Da hatte ich mich auch einmal eingetragen. Mit der Schule und dem Jahrgang. Sie eben auch und so wird man 25 Jahre später auf einmal miteinander konfrontiert. Zum Glück kann man sich es ausssuche, ob man sich meldet oder nicht.
Jetzt, nach den Rummel-Erinnerungen, möchte ich es lieber bei denen belassen. Es gibt Freunde aus diese Zeit, die mein ganzes Leben seitdem begleitet haben, mit denen ich immer noch guten Kontakt habe, die immer noch oder wieder Freunde sind. Aber Sie sollte einfach nur die erste Jugendliebe bleiben. So ist es mir lieber.
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In Charlottenburg, da wo ich arbeite, gibt es schätzungsweise fünf Bäcker in Pausen-erreichbarer Nähe. Normalerweise gehen wir immer zu dem einem. Gleich unten im Haus. Aber manchmal, wenn man unterwegs war, probiert man dann doch einen anderen aus. Allerdings, so haben wir jetzt festgestellt, ist es egal, in welchen Bäcker man geht. Denn es sind gar keine Bäcker. Es sind Backwarenverkaufsläden mit Schnellbackmaschinen im Verkaufsraum. Da, woe die Verkäuferinnen die vorgefertigten Backwaren hineinschieben. Irgendwann macht sich dann die Maschine mit einem Piepton bemerkbar. Dann sind die Schrippen fertig. Oder die Brezeln. Oder das Brot.
Und weil es überall Schnellbackmaschinenbrötchenverkaufsläden sind, gibt es auch überall das gleiche. Schrippen normal, Kürbiskernbrötchen, Brötchen mit Sesam, mit Mohn, Roggenbrot, Mischbrot, Roggenbrot mit Körnern, Vitalbrot, Laugenbrezeln, Laugenbrezeln mit Käse (angeblich Käse), Laugenstangen, Elsässer Brötchen und noch vier, fünf Kuchensorten. Lediglich die Preise unterscheiden sich noch.
Als mir das gestern so richtig bewusst wurde, musste ich mal wieder an damals denken. An die Bäcker in Halle oder in Erfurt. Die Bäcker, bei denen es teilweise ab Mittags nichts mehr gab. Die Bäcker, bei denen man morgens immer in der Schlange stand. Die Bäcker, die Montags immer geschlossen hatten, weil sie ja am Samstag geöffnet hatten.
Aber es waren eben Bäcker. Mit eigenen Rezepten. Mit Rezepten für Brötchen, für Kuchen, für Brote. Man, wie das damals roch. Früh am Morgen, wenn der Bäcker die ersten Brötchen aus dem Ofen geholt hatte.
An einen kann ich mich noch genau erinnern. Der hatte „Amerikaner“ für nen Groschen, als zehn Pfennige. Und Streuselkuchen mit Zuckerlasur. Und die Doppelten Brötchen, die waren ein Gedicht. Nicht immer hat man alles bekommen. Manchmal stand man ewig in der Schlange. Aber es hat von Bäcker zu Bäcker anders geschmeckt. Aber immer gut.
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Es wird derzeit wieder viel geredet. Über die Fikri, die Folgen und überhaupt. Mit überhaupt meinen manche das große Ganze. Also Deutschland. Und wie es seit der Wende sich so entwickelt und überhaupt der Solizuschlag. Die neuen Autobahnen im Osten des Landes, die Supermärkte, das schöne neue Leben, das wir Euch sozusagen mitgebracht haben.
Ja, so reden immer noch und immer wieder so manche. Und dann blicken sie herüber. Sie sagen nichts, und doch meinen sie es. Der war doch bestimmt auch dabei, na wenigstens an der Grenze. Nein? Die Partei doch aber? Oder? Nicht? Nein?
Nein, ich war kein IM. Nicht bei der Stasi, nicht beim Ministerium des Innern, nicht bei Mielke. Ich war auch kein Oibe. Weder vor noch nach der Wende. Auch ein Stasi-Opfer war und bin ich nicht. Auch kein Bürgerrechtler oder Revoluzzer. Ich war auch nicht in der Partei. Nicht in dieser, nicht in jener. Ich war nicht bei der Armee. Nicht in der einen, nicht in der andern. Nein, ich habe auch nicht studiert. Nicht privilegiert, nicht mit Beziehungen, auch nicht mit Abi eins komma null.
Und ich komme nicht aus Sachsen. Auch nicht aus Leipzig, Karl-Marx-Stadt oder Dresden. Mein Dialekt ist kein sächsisch. Ich habe als Kind nicht in der Gruppe gekackt. Ich war aber schon immer dagegen. Ich war einfach nur jung.
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Es ist schon seltsam. Da wühlt man in einer alten Kiste, weil einem während der Krankheit die Decke auf den Kopf fällt, und entdeckt dabei schriftliche Aufzeichnungen, die einem zuerst ganz schön fremd sind. Dann, nach und nach, fällt einem alles, aber auch alles dazu wieder ein. Obwohl es, ziemlich genau sogar, 25 Jahre her ist.
Wir saßen in unserem Jugendclub, in den Häuserschluchten von HaNeu. Während sich andere mit Jugendkarneval, Jugendtanz, Fotografie oder der ersten Freundin beschäftigten, saßen wir zu dritt oder zu viert in einem kleinen Raum. Die Tür hinter uns verschlossen, auf dem Tisch ein Kassettenrecorder Marke „Babett“. Wir saßen alle davor und lauschten gespannt und sehr, sehr aufmerksam die neueste Platte der westdeutschen Band aus Köln.
Bewaffnet mit Papier und Stift, versuchten wir die im Dialekt gesungenen Texte zu übersetzen. Gar nicht so einfach, hatten wir doch zu Kölsch damals überhaupt keinen Bezug. Doch wir hatten einen Experten unter uns. Derjenige, der der größte Fan damals war, vertand schon die meisten Worte von Wolfgang Niedecken und seiner Band BAP. Er war es auch, der die Original-Platten hatte. Von der Oma, aus dem Westen.
Und so saßen wir dann bei jeder neuen Platte, bei jedem neuen Album da und versuchten, die Texte zu verstehen. Wir konnten meist schon mitsingen, als wir die Texte noch gar nicht verstanden hatten. Aber so geht es ja heute noch so manchem mit englischen Texten. Dieser Song hier war jedenfalls auch dabei. Damals, bei der Übersetzung Kölsch-Deutsch, 1984 im Jugendclub Gimritzer Damm von Halle Neustadt.
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