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Wie einst Vineta oder Wer ist eigentlich Gottfried?

3. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Er war der große Unbekannte, oder eher ein kleiner Unbekannter? Keiner weiß es so genau. Doch alle fragten sich: Wer ist eigentlich Gottfried? Die anderen kannte man ja doch, irgendwie. Liebich. Oder Thierse. Aber Gottfried? Von allen Laternenmasten schaute er vor der Wahl aufs Volk herab – Gottfried. Keiner hatte je von ihm Genaueres gehört. Eine Sage? Wie einst Vineta? Angeblich untergegangen bei einem Sturmhochwasser. Grund sei damals wohl der moralische Verfall der Stadt und der Hochmut und die Verschwendung der Bewohner gewesen. Dabei habe es doch sogar eine Warnung gegeben. Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der Stadt sei sie über dem Meer mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde erschienen. Eine Warnung, die man hätte ernst nehmen sollen. Hat man aber nicht. Ähnlich wie bei Gottfried. Nur ist der schon untergangen, bevor er jemals zu einer Lichtgestalt werden konnte.

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Bahn sechs, kurz nach sieben II oder Herbert hat gewählt

29. September 2009 · 2 Kommentare

„Dit war der Herbert, dit sach ick dir!“, sagt Irmgard zu Trudchen. „Herbert? Wieso Herbert? Und wat meinsten übahaupt“, fragt Trudchen Irmgard. Die beiden Berliner Seniorinnen sind wie jeden Morgen im Stadtbad. Hier darf man vor acht zum Sonderpreis schwimmen. Oder, wie Irmgard und Trudchen es tun, im flachen Wasser stehen, ab und zu die Arme darin bewegen, und ansonsten Tratschen was das Zeug hält. Wie auch heute morgen wieder.

Ich hatte sie wegen der Sommer-Freibadsaison lange nicht gesehen. Sie haben sich nicht verändert seit dem Frühjahr. Beide haben immer noch ihre Perlenkette während des „Schwimmens“ um, beide tragen ihre lila-gelben Badekappen. Und ihre Badanzüge Marke „ein bis zwei Nummern zu klein“. Und beide blockieren wie ehedem Bahn sechs. Frau Stadtrat und ihre beste Freundin.

„Nu pass ma uff. Herbert hat beim letzten Kränzchen erzählt, dass er bei der nächsten Wahl es denen da oben mal so richtig zeigen will. Und abwähln will er den janz oben“, sagt Irmgard. „Na dit gloob ick jetze nich“, ereifert sich Trudchen. „Herbert? Der stammt doch praktisch von de Demjokraten ab? Großvata Demjokrat, Vata Demjokrat, Bruda Demjokrat. Der is doch praktisch jesehn mit Brandt uffjewachsen. Und Ernst Reuta war sojar n entfernta Nachbar von Herbertchens Mutta. Da musste dir irren, Irmjard.“

„Wat weeß ick denn, wie Herbert uffjewachsen is. Ick hab ja nich so´n enget Vahältnis mit dem wie manch andre Anwesende hier“, pariert Irmgard mit spitzem Mund. „Na, na, nu werd ma nich gleich komisch. Dit eene mal wirste mir jo wohl nich ankreiden wolln, wa? Und außadem, sind wa immahin n freiet Land. Da kann Herbertchen ja wohl wählen, wat er will“, erwidert Trudchen. Irmgard taucht langsam bis zum Hals ins Wasser, langsam wieder auf. „Nee“, sagt sie dann bestimmt, „mit so ne Familje kannste eben nich wähln, wat de willst. Jedenfalls nich die, wo ick gloobe, dass er die jewählt hat.“

„Wat gloobste denn, wat Herbert jewählt hat“, fragt Trudchen und taucht ganz langsam bis zum Hals ins Wasser, und langsam wieder auf. „Na die von drjüm“, antwortet Irmgard, „die vonne Es-Eh-Deh-Nachfoljer. Dit hatter doch imma ma wieda jesacht, dat die ja nich so schlimm sein solln.“ Trudchen schaut Irmgard an, zeigt mit ihrem rechten Zeigefinger an ihre Stirn. „Na dat is ja wohl die Höhe. Herbertchen is doch keen Kommjuniste. Dat is n ausjewiefter Demjokrat. Basta.“

„Ah, kieke ma, wer da kommt. Uns Herbert. Na, Herbertchen, wat haste jewählt am Wochenende“, fragt Irmgard, als Herbert langsam, ganz langsam, ins Schwimmbecken steigt (wie eh und je mit seiner superengen Mini-Badehose im Tigerlook). „Madam hier neben mir gloobt nämlich, Du hast die von drjüm jewählt.“

Herbert schaut beide fragend an und sagt: „Ick weeß ja nich, wat ihr hier schon wieda tratscht. Aba eens kann ick Euch sajen: Mein Ziel ha ick erreicht. Am Samstach ham wer den Vorstand vonne Skatbrüda abjewählt. So, wie ick dit mir vorjestellt hatte. Der olle Justav konnte ja schon nich mehr zwischen Re und Kontra untascheidn. Und Sonntach? Na die Demjokraten natürlich. Wat denn sonst – bei meene Familje.“

„Ja, wat, wie…“ Den Rest höre ich nicht mehr, denn ich habe ja noch zehn Bahnen vor mir. Und die Zeit ist knapp. Schließlich muss auch ich um acht draußen sein.

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Klare Ansage in Berlin

27. September 2009 · Kommentar schreiben

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Septemberabend

26. September 2009 · Kommentar schreiben

Kreuzung Bornholmer Straße/Ecke Schönhauser Allee an einem Abend im September 2009.

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Passt

18. September 2009 · Kommentar schreiben

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Sie passt – die neue U-Bahnbrücke über der Kreuzung Bornholmer Straße/Schönhauser Allee.

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Noch mehr Prügel

16. September 2009 · Kommentar schreiben

Die Demo am Sonnabend stand unter dem Motto „Freiheit statt Angst“. Doch es gab mehr Angst als Freiheit.

Allerdings muss man sich fragen, wieso der Mann in blau, der auf dem anderen Video Prügel bezieht, auch ausgerechnet hier wieder auftaucht. Es scheint, als sei er nicht nur gekommen, um zu demonstrieren…

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Polizei-Arbeit in Berlin

13. September 2009 · 1 Kommentar

Am Rande der Demo „Freiheit statt Angst“ gegen Überwachung. via spreeblick

Bei der Polizei hört sich das dann so an:

Weitgehend störungsfrei verlief gestern Nachmittag eine Demonstration in Mitte. Unter dem Motto „Für eine freie Gesellschaft, für Freiheitsrechte, gegen Massenüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und Sicherheitswahn“ trafen sich gegen 14 Uhr 40 zunächst rund 1.500 Teilnehmer am Potsdamer Platz. Gegen 16 Uhr setzten sich dann etwa 3.000 Personen in Bewegung, deren Zahl sich während des Aufzuges auf zirka 10.000 erhöhte. Die Route führte über die Ebert-, Wilhelm-, Behren- und Glinkastraße, Unter den Linden, Bebelplatz, Leipziger Straße zurück zum Potsdamer Platz.

Unter den Teilnehmern befanden sich auch rund 700 Angehörige des so genannten „antikapitalistischen Blocks“. Sie versuchten im Bereich der Stresemannstraße von der angemeldeten Wegstrecke abzuweichen, was Polizeibeamte verhinderten. Als Polizisten einen Lautsprecherwagen, von dem zu Straftaten aufgerufen worden war, überprüften, wurden sie aus der Menge mit vereinzelten Flaschenwürfen angegriffen. Hierbei ist jedoch niemand verletzt worden.

Nachdem der Aufzug den Endplatz gegen 18 Uhr 40 erreicht hatte, verweilten zunächst noch etwa 2.000 Personen am Potsdamer Platz, die sich bis 20 Uhr auf rund 300 reduzierten. Die Veranstaltung wurde gegen 21 Uhr 30 vom Versammlungsleiter beendet, woraufhin auch die letzten Anwesenden den Platz verließen.

Im Zusammenhang mit der Überprüfung des Lautsprecherwagens kam es seitens mehrerer Teilnehmer zu massiven Störungen der polizeilichen Maßnahmen. Trotz wiederholter Aufforderungen, den Ort zu verlassen, störte insbesondere ein 37-Jähriger weiter. Die Beamten erteilten ihm schließlich einen Platzverweis. Nachdem auch dieser wiederholt ausgesprochen worden war und der Mann keine Anstalten machte, dem nachzukommen, nahmen ihn die Polizisten fest. Hierbei griff ein Unbekannter in das Geschehen ein und versuchte, den Festgenommenen zu befreien, was die Beamten mittels einfacher körperlicher Gewalt verhinderten. Der Unbekannte entfernte sich anschließend vom Tatort. Der 37-Jährige erlitt bei seiner Festnahme Verletzungen im Gesicht und kam zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.

Polizisten nahmen im Verlauf der Veranstaltung 19 Personen vorläufig fest, in der Mehrzahl wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Darüber hinaus wurden Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstands eingeleitet. Insgesamt waren rund 900 Polizisten im Einsatz.

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In der Sprache, die sie verstehen

11. September 2009 · 4 Kommentare

Wer in Deutschland lebt, muss mit ihnen leben. Mit den Ämtern. Ohne sie wäre alles viel schöner, einfacher vor allem. So zumindest die landläufige Meinung. Lange Wartezeiten, unfreundliche Beamte und vor allem Inkompetenz lehren einem das Fürchten vor dem Gang zum Amt. Alles Lüge. Wirkliche Schuld an den Wartezeiten und allem anderen haben nicht die Ämter, sondern die Bürger.

Bürgeramt Pankow, Rathaus, Breite Straße. Kur nach 9 Uhr. Ich geh hinein, frage am Infotresen nach dem Weg, ziehe eine Wartenummer. Es ist die 132, auf der aktuellen Anzeige leuchtet die 128 als letzte Nummer. Also noch drei vor mir, sollte schnell gehen. Ging es dann auch. Aber zwischenzeitlich spielten sich Dramen ab.

Zuerst kam eine Frau, Mitte 20. Sie erfuhr am Infotresen, dass sie sich eine Nummer ziehen und dann im Wartsaal Platz nehmen soll. Direkt neben der Tür hängt ein Wartenummerndruckundauswurfautomat, oder wie das Teil auch immer heißen mag. Ein dicker, fetter, roter Pfeil zeigt auf eine Taste: HIER NUMMER ZIEHEN. Die junge Frau guckt etwa drei Minuten lang den Automaten an. Von oben, von der Seite, von unten. Dann drückt sie auf verschiedene Stellen: Auf das Schloss an der Seite, auf ein schwarzes Feld in der Mitte, auf ein Scharnier, und auf noch etliche andere Stellen. Nur nicht auf die Taste, worauf der dicke, fette, rote Pfeil zeigt. Die Warteschlange derer, die sich eine Wartenummer ziehen wollen, wird inzwischen immer länger.

Der Mann hinter der jungen Frau zeigt ihr dann, wo sie draufdrücken muss. Da sie es scheinbar immer noch nicht kapiert hat, nimmt ER sich den ausgedruckten Schein mit IHRER Wartenummer. „Eh, dit is aba meine Nummer“, kreischt darafhin die Frau. „Wat kann ick dafür, dat sie zu doof sind“, erwidert der Mann. „Na hörnse ma, dit muss ick mir nich jefalln lassen. Jebense mir jefällichst die Numma.“ Der Mann gibt ihr die Nummer und zieht sich, per Druck auf die Taste mit dem dicken, fetten, roten Pfeil, eine nächste Wartenummer. Die Frau geht. Nicht aber in den Wartesaal, wo an der Wand die Anzeigetafel hängt. Wo demnächst auch ihre Nummer erscheinen wird. Die Frau geht in Richtung der Bürgerbüros und klopft an eine der erstbesten Türen. Weil dort keiner antwortet, geht sie weiter und verschwindet aus dem Blickfeld.

Auf der Anzeigetafel leuchtet indessen die Nummer 131, eine vor meiner. Doch das Blinken der Anzeige scheint im Wartesaal niemanden zu interessieren. Die wenigen, die da sind, gucken auf dem neuen Flachbildschirm an der Wand ntv. Das Deutsche Fußballfrauenteam wird gerade gefeiert. Durch Zufall entdecke ich, dass der Herr neben mir die 131 hat. „He, Sie sind dran“, sage ich und tippe ihn leicht auf die Schulter. Er sieht sich sichtlich genervt nach mir um und sagt: „Was Du von mir wollen? Bin isch dran? Was bin isch dran? Du Problem?“ Ich wiederhole noch einmal: „Ihre Nummer leuchtet da oben, Sie können jetzt ins Zimmer 58 gehen.“ Doch der Mann (mit südlichem Akzent, um es politisch korrekt auszudrücken), kümmert sich nicht um mich oder seine Nummer. Er glotzt weiter ntv.

Nun gut, denke ich, dann bin ich ja gleich dran. Und dann leuchtet sie auch schon auf, die 132. Ich will gerade aufstehen, da drängelt sich Mister „Bin isch dran“ an mir vorbei und geht vor mir in die 58. Um ein paar Sekunden später wieder herauszukommen. „Scheise hier, alles scheise hier“, brabbelt er vor sich hin und drängelt sich wieder an mir vorbei. „He, was kann ich denn dafür“, frage ich ihn und ernte folgende Antwort: „Meine Familie isch, Du kannst nisch, meine Familie und isch, dann Du sehen wirst.“

Okay. Ich bin dran, geh rein und bin schon nach drei Minuten wieder draußen. Mit allen Formularen, die ich wollte. Auf dem Weg nach draußen sehe ich eine Traube Menschen vor dem Wartenummernautomat stehen. Lautstark wird diskutiert, ob man denn nun eine Nummer braucht oder nicht, wer denn zuerst dagewesen sei und ob es sich überhaupt noch lohne, eine Nummer zu ziehen.

Während im Wartesaal schon Nummern blinken könnten, die noch gar nicht gezogen sind. Denn der ist fast leer. Nur die junge Frau, die vorhin weder die Taste noch den Wartesaal gefunden hat, sitzt und wartet. Ich gehe lieber und denke mir: Vielleicht sollte man es wieder so machen wie früher. Ein Schalter, eine Schlange, und ein Beamter, der die Sprache spricht, die sie verstehen: Der Nächste Bitte!

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Bürgeramt Pankow: Nummer verpasst weil ntv geglotzt.

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