Ach, wie ich doch solche Sätze liebe. Besonders in diesem wunderschönen Friedens-Video der NVA zum ruhmreichen Jeburdsdach dor Rebublik.
Und ab Minute 1:26 ist übrigens deutlich zu sehen, warum es u.a. auch keine Dachziegel in dr ddr zu koofen jab. Aber wenn ein Dachdecker zu Besuch kommt, da muss man schon mal zeigen, was man von den Ziegeln hält. Oder wie lange sie halten. Ob da wohl hinterher ein paar Köpfe gerollt sind?
Doch hier nun die Moderation (besser natürlich live im Video):
…Bereits hier, in den ersten Stunden des Truppenbesuchs, wurde deutlich, so wie die Werktätigen der DDR, unternehmen die Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere im sozialistischen Wettbewerb große Anstrengungen, um das Jubiläumsjahr der Republik zum erfolgreichsten im Ringen um hohe Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft zu gestalten…
Und zum Schluss Honi Himself:
…Wir wissn, dass Sie das alles tun, um alle Maßnahm zu treffn, die es uns gestattn, im Ernstfall unsre Deutsche Demkratische Repblik in gebührnder Weise zu schützn…
Überall diese herrliche Luft. Mal roch es nach faulen Eiern, mal nach verbrannten Tischtennisbällen. Mal war der Duft beißend, Tränen treibend, mal säuerlich brechreizend. Wie und wo auch immer. In meiner alten Heimat hatten wir immer diese Luft, diesen Duft. Nicht nach frischem Heu. Aber wir konnten, was heute keiner mehr kann: Anhand des Duftes in der Luft die Himmelsrichtung des Windes bestimmen.
Damals, als der Chemie-Schaum auf Saale, Elbe und Elster die Ufer überschwemmte. Und als Karbid schon lange nichts mehr mit Sauerampfer zu tun hatte. Sondern mit ”harder Kleche”, Knast, Montage und Fleischerhemden. Als wir in Süd wohnten. Gegenüber vom Güterbahnhof. Wo man zur Schlafenszeit anfing, die Züge zusammenzustellen. Erst quietschten die Waggons laut in die Weichen. Dann knallten sie auf die stehenden Waggons. Jeder Puffer war zu hören. Dann qietschte es wieder, gefolgt vom Aufeinanderknallen der Puffer…
Laut. Aber nicht zu vergleichen mit dem Flugplatz der Russen, etwa einen Kilometer nördlich vom Amselweg in Merseburg Süd. Kurz hinter der Radrennbahn. Dort starteten in der Nacht die MIGs. Spätestens dann war Merseburg wieder wach. Wer nicht gerade im seligen Goldi-Rausch schlief, wurde spätestens geweckt, wenn die Kriegsflieger im Einsatz für den Frieden kurz über der Stadt den Schall durchbrachen.
Aber im Garten stand ein Pflaumenbaum. Und es gab Erdbeeren und Kopfsalat. Radieschen und Gurken. Die heute sicher keiner mehr essen würde, aus solch einer Gegend. Wie es geschmeckt hat? Gut, natürlich. Wie eben eigene Ernte schmeckt.
Wer träumt nicht ab und zu von den großen Stars, den noblen Hotels dieser Welt? Okay, bei mir ist das eher selten. Aber ab und an könnte ich mich schon damit anfreunden. Ein tolles Hotel, in der Lobby sitzend den ein oder anderen Star im Vorbeigehen zuwinken, am Espresso nippen und dabei überlegen, ob ich nun gleich ins Sterne-Restaurant oder erst nochmal in den Wellnessbereich schlüpfe.
Nun, ein Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier machte nun beides möglich. Ich saß also dienstlich verordnet im Grand Hyatt in der Hoffnung, einen der Stars oder wenigstens einen der Teilnehmer des Turniers zu treffen, das soeben von einigen Maskierten überfallen worden war. Und, was soll ich Euch sagen, da stand er vor mir: Benjamin Kang. Pokerface-Top-Player aus Hamburg. Der mit den südkoreanischen Vorfahren und deshalb mit dem angeborenen Pokerface-Blick.
Nun, er hat mir nicht zugewunken, ich war auch nicht im Sterne-Lokal und auch nicht im Wellness-Bad. Aber Herr Kang hat mir ein kurzes Interview gegeben. Und einen Espresso hab ich mir dann auch geleistet. Ist doch auch was, oder?
Bleibt die Frage, ob es immer erst bewaffnete Raub-Überfälle geben muss, bevor ich mal einen Espresso in der Lobby eines Grand Hotels trinken kann.
Ja, da Erinnerungen werden wach. Nicht nur bei den Bildern aus der eigenen Fotokiste. Kaum war der erste Teil der bpb-Serie “Bilder aus der Fotokiste” online, segelte mir ein weiteres altes Foto ins Postfach. Vielen Dank dafür nach Halle. Es zeigt die alte IL 14 der Interflug, die jahrelang auf dem “Rummelplatz” vor der Eissporthalle stand. An der Schnittstelle von Halle und Halle Neustadt. Dort, wo sich die meiste Zeit unsere Jugend zugetragen hat. Dort, wo die Woche für uns am Sonntag begann.
Sonntags, kurz nach 17 Uhr. Zu dieser Zeit öffnete an jenem Wochentag die HO-Gaststätte (oder war es ne Konsum-Gaststätte?) “Pirouette”. Dort begann vor knapp 30 Jahren unser “Sonntags-Stammtisch”. Freunde aus der Schule, aus dem Jugendklub, aus der Nachbarschaft. Der eine oder andere war schon 18 oder älter, die meisten knapp 16 Jahre jung.Und eigentlich passten wir dort gar nicht so recht hinein. Mit unseren Fleischerhemden, Jeanswesten, Jesuslatschen und Trampern. Doch wir waren eben jeden Sonntag dort. Das war letztendlich unser Eintritt und unsere Garantie für einen reservierten Tisch in der mit weißen Tischdecken eingedeckten Gaststätte. Schräg gegenüber von Halles Stasi-Hauptquartier.
Unvergessen unser Kellner “Herr Ries”. Er war immer für uns da. Manches Mal geleitete er uns, vorbei an wartenden Erwachsenen in Abendgarderobe, zu unserem Tisch. Er bediente uns wie alte Stammgäste. Was wir ja irgendwann dann auch waren. Es gab Pils vom Fass (0,25 l für 56 Pfennige), Schinkenplatte, gemischte Platte (Salami, Käse, Schinken), Würzfleisch, Steak Letscho mit Pommes, Steak Champignons. Manches Mal auch einen Kiwi, Pfeffi oder Goldi. Je nach Kohle in der Tasche. Manch einer trank auch nur ein Bierchen, weil es fürs Essen nicht reichte. Aber das war egal. Hauptsache, wir saßen alle zusammen.
Manchmal hatte auch Herr Ries seinen freien Tag am Sonntag. Dann war “der Alte” da. Unfreundlich, langsam und gar nicht erfreut über uns junge Schnösel. So saß eines Sonntagabends eine Fliege auf dem Rand des Bierglases. Einer von uns wollte sie mit einer schnellen Handbewegung fangen. Das ging schief, das Bierglas fiel um, der Inhalt ergoss sich über die Tischdecke. “Lassen Sie gefääligst unsere Haustiere in Ruhe”, schrie daraufhin der “Alte” und ließ uns absichtlich mit der nassen Biertischdecke sitzen.
Aber auch solche Ereignisse hielten uns nicht von unseren Sonntagstreffen ab. Später waren dann die einen zur Asche, andere beim Studium oder auf Montage im Lubminer Atomkraftwerk. Wo aber auch immer die Woche verbracht wurde, der Sonntagabend gehörte uns und der “Pirouette”. Einige fuhren dann gleich von dort aus mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und von dort weiter nach Weimar oder an die See zum Studiern oder Klechen off Mongdasche.
Die “Pirouette” gibt es nicht mehr. Auch die IL 14 steht inzwischen in Dessau. Den Stammtisch aber gibt´s immer noch, in einer anderen Kneipe in Halle. Ein, zwei, drei Stammtischgründer haben sich inzwischen über 1500 Mal am Sonntag versammelt. Und heben ab und an einen oder zwei auf Herrn Ries.
Ein leicht verschnupfter aber freier Vormittag verleitete mich einmal wieder zum TV-Zapping. Doch wo ich auch hinzappte, überall sah ich die gleichen Gesichter, die gleichen Figuren. Ein “schlimmer Verdacht” (RTL) drängte sich auf: Ist inzwischen das Vormittags-Prekariats-TV eine einzige Sendung? Mit unterschiedlichen Kulissen?
Da war zuerst diese eine fette Frau, die mit der anderen dicken Frau die Wohnung und den Mann und die Kinder tauschte.Und beide hatten ein großes Problem. Ein Problem mit der Küche. Denn die eine Fette kannte sich in der Küche nicht aus, weil sie sich und ihrer Familie mit ihrem schmalen Hartz-IV-Etat nur Fastfood leisten konnte. Die andere Dicke konnte auch nicht kochen, weil sie dazu bei sich eine Haushaltshilfe hat. Nun standen beide recht blöd und dicke da.
Nur einen Sender weiter war dann die eine fette Frau in einer ganz anderen Sendung zu sehen. Sie saß vorm TV-Gericht als mutmaßliche Täterin. Der Vorwurf der Staatsanwältin (die ich wiederum in der Tausch-Sendung als irre Tochter der fetten Frau gesehen hatte): Die Dicke habe mit einer Pfanne ihre Schwiegermutter erschlagen wollen, um an das Versicherungsgeld zu kommen, mit dem sie ihre Auswanderung nach Kanada bezahlen habe wollen. Das aber bestritt die Dicke mit der Begründung, gar nicht zu wissen, was eine Pfanne sei, weil sie doch gar nicht kochen könne (was Insider natürlich schon aus der anderen Sendung wussten). Und außerdem wolle sie nicht nach Kananda, sondern nach Norwegen auswandern. Weil, das sei doch landschaftlich und sprachlich eh das gleiche, aber eben nicht ganz so weit.
Noch einen Sender weiter sah ich dann die bebrillte Richterin, den tätowierten Mann der fetten Frau und auch den Rest der Zeugen aus dem Gerichtssaal von eben wieder. Alle saßen, von Kameras beobachtet, in einem Wohn-Container und schrien sich mehr oder weniger die ganze Zeit an. Dazu gesellten sich noch ein paar asoziale Schläger und ein, zwei Prostituierte. Alle hatten eins gemeinsam: Das Nicht-Beherrschen auch nur einer Sprache. Asoziale, dicke, tätowierte Legastheniker und doofe Nutten beim täglichen Versuch, sich mit den wenigen Worten, die sie beherrschen, gegenseitig zu beleidigen. Da schlägt das Herz eines jeden Hellersdorfer Plattenbau-Prekariaten höher.
Genug davon, dachte ich mir, und schaltete auf den erstbesten GEZ-Bezahl-Kanal. Um was zu sehen? Genau, auch hier die gleichen Fratzen. Die Fette, die Richterin, den Tätowierten, die Staatsanwältin, die Nutte, den Mann der fetten Frau, die Tochter der dicken Frau sowie deren Haushaltshilfe. Nur diesmal nicht beim Partnertausch sondern beim Gänseschmaus. In der Super-Duper-Mega-Koch-Show.
So manches Bild findet sich in alten Fotokisten. Die meisten verbunden mit Erinnerungen. Wie dieses. Eine Wohnungstür in Erfurt. Nicht irgendeine Tür. Sonder DIE Tür zu DER Partywohnung. Schiller/Ecke Arnstädter Straße. Über dem Gemüseladen. Eine Minute Fußweg vom Café S, zehn bis zum Bahnhof, zwanzig bis zur Engelsburg. Einen Steinwurf und nur oder einen Blick bis zur konspirativen Wohnung. Gegenüber. Wo die Kamera im Fenster stand.
Und dann kam sie, die Stasi. Meinereiner war grad auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Zigaretten kaufen. Die waren ausgegangen. Karo, Cabi, F6, Club. Während der “Snob-Party”, früh um “fümfe”. Sekt, Whisky, Rolette und fein gekleidete Damen und Herren. Ein Kostümfest für Snobs. Wie der Name schon sagte. Gäste aus Halle, Hohenmölsen, Gräfenhainichen, Jena, Zeitz, Görlitz. Und all die Jeans-und-Fleischerhemden-und-Jesuslatschen-Träger im feinen Zwirn. Die Batik-T-Shirt-und-Kleider-Trägerinnen im festlichen Abendkleid.
Im Hinterzimmer wurde am Roulettetisch gezockt, in der Küche Cocktails aus Whisky, Sekt und anderen Getränken gemixt. Vom Band Soul und Jazz. Doch das ging nicht lange gut. Bald schon lagen wieder die guten Platten auf dem Teller: Gary Moore, ZZ Top, Deep Purple, Manowar, Friday Night in San Francisco. Party eben, wie immer. Bis zum Morgengrauen. Auch wie immer.
Nur dieses Mal kamen eben die Herren des Staatssicherheitsdienstes. Und nahmen alle mit. Außer mich. Denn ich war ja am Bahnhof. Wegen Karo, Cabi, F6 und Club. Ich sah sie noch wegfahren. Alle in den Vopo-Wannen namens Barkas gepfercht. Einer winkte mir noch. Die Partywohnung offen. Und verlassen. Zum Glück nicht lange. Nach zwei, drei Zigaretten kamen die ersten zurück. Bis zum Mittag waren alle wieder da.
Auf dem Revier hatten sie so einiges erlebt. Ein Protokoll, das es so noch nicht gegeben hatte, ein “Verdächtiger”, der das Protokoll redigiert hatte, ein Fernseher mit ZDF-Programm und anderes mehr. Doch das ist eine andere Geschichte, ein anderes Bild aus der Fotokiste.
“Ick habe ihn jesehen. Stand direkt neben mir. Jestan inne Konditorei”, sagt Trudchen zur Begrüßung ihrer Senioren-Klatschrunde morgens kurz nach sieben im Hallenschwimmbad (Luft 28, Wasser 26 Grad). Irmgard und Herbert hatten schon eine Bahn hinter sich, natürlich nicht schwimmend, sondern wie immer schwimm-laufend, weil man da besser klatschen kann. “Wen haste jesehn, jestan inne Konditorei”, fragt Irmgard. Trudchen prüft den Sitz vom Dutt, taucht kurz bis zum Hals ins Wasser, schaut triumphierend in die Runde und antwortet: “Na IHN. Der ausm Film, der inne Zeitung war jestan. Ick kann mir bloß nich erinnan, wie sein Name ist.”
“Etwas jenauer jehts nich, wa?”, sagt Herbert macht dabei unbeeindruckt mit seinen Unterwasser-Kniebeugen weiter. Wie immer sitzt seine Leopardenlook-Badehose perfekt, hochgezogen bis über den Bauchnabel. Um Hals und Handgelenk glitzern passend dazu seine güldenen Panzerketten. “Immahin ham wer grad die Balinale, da jibts doch berühmte Männekieken ausm Film wie Sand am Meer. Da musste Dir schon etwas jenaua ausdrücken.” “Na den aus dem Film, mit den Untajang, ihr wisst schon”, erläutert Trudchen. Irmgard lächelt nun wissend: “Bruno Janz, meinste Bruno Janz, ausm Hitla-Film Untajang?” Trudchen entgeistert: ”Hitla, wat heest hier Hitla. Nee, den mein ick nich. Aba wenn ick mir dit recht übaleje, Hitla könnte zu diesa Zeit och jelebt haben.”
“Na wat denn nu. Hitla oder nich Hitla?” Herbert will es nun wissen. “Nee, mit Hitla hat der nüscht zu tun. Aba der Film, wo der, den ick jesehn hab, mitspielt, spielt inna Zeit, in der Hitla och jelebt hat. Aba ick meine nich Hitla und sin Untajang. Ick meine den Film mit die Katastrophe”, erläutert nun Trudchen während sie sich den Unterwasser-Kniebeugen Herberts anschließt. Dabei immer darauf achtend, dass ihre Badeanzugs-Träger nicht verrutschen. Denn die verdecken, zumindest teilweise, die Träger vom Büstenhalter, den sie wie immer drunter trägt. “Katastrophe?”, fragt Herbert. “Katastrophen-Filme jibts viele.” ”Na, aba nich viele mit dem, den ick jesehn habe”, sagt Trudchen. Auch Irmgard unterbicht kurz ihre Unterwasser-Aerobic: ”Meinste jetze den Film oda den Schauspieler, den de jesejen hast?”
“Sacht ma, wollter mir vaäppeln? Ick meine natürlich den Film, den ick jesehn habe. Wo der mitspielt, den ick meine und der jestan inne Kondotorei war. Na der, na der, ick werd noch irre, na der mit dem Weibsbild uff dem Dampfer. Der dann unterjejang ist.” Irmgard und Herbert unterbrechen gleichzeitig ihre Unterwasser-Kniebeugen. Herbert zieht nochmal seinen Leoparden in die richtige Position und meint: “Na, sachs doch gleich. Titanic, der Unterjang der Titanic. Dit is der Film, den Du meinst.” Trudchen nickt. “Na, und wie heeßt nun der Star, der vorn uff den Sejelstange mit dem Weibsbild jestanden hat?” “Na dit is Leonardo DiCaprio”, sagt Irmgard sicher. Worauf Trudchen einen Moment lang überlegt, dann den rechten Zeigefinger an die Stirn hebt: “Hör ma, Leonardo, dit kann nich sinn. Den kenn ick doch. Den hätt ick doch erkannt, wenna inne Konditorei jewesen wär.”
Das traurige bei schönen Büchern ist nicht (immer) das Ende. Sondern die Vollständigkeit. Wenn man weiß, es ist alles gelesen. Alles gelesen aus jener Reihe. Alles gelesen von diesem Autor. Das ist nicht nur traurig, sondern manchmal ganz schön schlimm.
Lebt der Autor noch, gibt es Chancen auf eine Fortsetzung. Auf einen neuen Roman, ein neues Buch. Ist er oder sie schon verstorben, sieht es gewohntermaßen eher schlecht aus. Dann muss man mit dem Wissen vom Ende leben. Lebt der Autor noch, schreibt aber keine neuen Bücher, ist es schon schwieriger. Man fragt sich, was wohl dahinter stecken möge.
Unterdessen greift man dann doch mal wieder zu einem seiner Bücher, liest es zum dritten, vierten Mal. So geschehen mit den Büchern von Tom Sharpe. Mit “Puppenmord” fing es an, mit “Henry dreht auf” ging es weiter. Es folgten all die anderen: “Ein dicker Hund”, “Tohuwabohu”, “Mohrenwäsche” und andere mehr. Nicht zu vergessen “Schwanenschmaus in Porterhouse”, welches ich ohne Pause durchgelesen habe. Wie auch manch anderes Buch Sharpes. Bis ich alle gelesen hatte. Dann war Schluss. Wie schmerzlich. Hatte mich doch kaum ein anderer Autor je wieder so zum Lachen gebracht.
Nun, es war nicht wirklich das Ende. Tom Sharpe hat sich aufgerafft und noch einmal zur Feder gegriffen. “Lauter Irre” ist ab morgen im Handel. Ich muss jetzt hier wohl nicht erwähnen, was ich u.a. morgen machen werde. Kaufen, lesen, lachen. Für alle, die nicht wissen, was ich meine, hier ein kleiner Auszug aus Tom Sharpes unvergessenen Klassiker Puppenmord oder Bis dass ihr Tod ihn scheidet.
Kleine Erklärung: Drei mit einem Boot gestrandete wollen um Hilfe rufen. Sie tun das mit Hilfe von Kondomen, die sie an Seile binden mit den Buchstaben SOS HILFE beschriften. Dann hängen sie das ganze in den Wind, weil hohes Schilf die direkte Sicht ans Land behindert.
“Die Sonne stand hoch am Himmel, und über dem Aalfleet stieg etwas Dunst auf, so dass die Präservative ein gleißender Schimmer umgab, eine Unwirklichkeit, die schlichtweg etwas Geistiges an sich hatte. Schlimmer noch, es zeigte sich, dass etwas drauf geschrieben stand. Die Botschaft war klar, wenn auch unverständlich. Sie lautete HIFISOSE. Hochwürden St. John Froude nahm das Fernglas herunter, griff nach der Whiskyflasche und dachte über die Bedeutung von HIFISOSE nach, das hauchzart und gefühlsecht an den Himmel gemalt war. Als er, immer flott weg, sein drittes Glas ausgtrunken hatte und zu der Überzeugung gekommen war, das am Spiritismus trotz allem doch was dran sei, auch wenn man fast immer bloß mit alten Indianern in Berührung kam, die ihre toten Tanten durch sich sprechen ließen, was erklärte, dass Haifischsoße falsch geschrieben war, weil sie ein paar von den weniger schmackhaften Zutaten aus dem Zeug einfach wegließen, hatte der Wind die Buchstaben umgeordnet. Als er diesmal hinsah, lautete die Botschaft SEIFEHILFLOS. Der Pfarrer erschauerte. Welche Seife war hilflos und wieso.“Die Sünde der geistigen Getränke”, sagte er vorwurfsvoll zu seinem vierten Whisky, bevor er das Orakel erneut befragte. Auf FIISHOELLE folgte HOHLFISSEL, worauf SLIESLOFF kam, was noch schlimmer war. Hochwürden St. John Froude schob Fernglas und Whiskyflasche zur Seite, kniete nieder und betete um Vergebung oder wenigstens einen Wink, wie die Botschaft zu verstehen sei…”