berlinpankowblogger

Lieber Jens-Paul Wollenberg!

9. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Gerade habe ich von Dir gelesen. Gelesen, dass Du immer noch dabei bist. Immer noch Pazifist, immer noch Barde, immer noch Sänger. Das ist schön. Ich weiß zwar nicht, ob Du diesen, offenen Brief, jemals lesen wirst. Ich möchte ihn aber trotzdem schreiben.

Denn es geht um damals, um Erinnerungen. Wie schon so oft hier in diesem Blog. Um Erinnerungen, die mich immer mal wieder einholen, überholen. Die aus Hirnschubladen qellen, hervorkommen, sich durch Jahrzehnte in die Gegenwart kämpfen. Weil es einen Anstoß gab. Irgendetwas. Ein Schlüssel zu alten Türen. Diesmal war es nur ein einziges Wort. Combo. In irgendeiner Zeitung laß ich heute das Wort Combo.

Während nun andere vielleicht eher an die Stern Combo Meißen denken würde, erschien in meinem Hirn ein anderer Name: Münzenberger Gevatterncombo. Deine Band, damals. Deine verbotene Band. Während die Damen und Herren von den Kreis- und Bezirkskulturkabinetten Euch nicht haben wollten, führte spätestens das bei uns zum Gegenteil. Wir wollten immer mehr von Euch. Jedes Konzert der Gevatterncombo war ein Höhepunkt. Ob in Halle, in Eurer Heimat Quedlinburg, in Leipzig oder in Merseburg.

Aber wir haben Euch nicht nur zugehört, sondern nachgeeifert und -gesungen (sozusagen gecovert).  Ich spielte damals nicht die erste aber die einzige Geige bei “Fliegenpilz”, oder auch “Fliepi” genannt. Die Band von Schorschi. Der übrigens nicht mehr unter uns weilt, falls Du das noch nicht gewusst haben solltest. Schorschi starb am 30. Dezember 2007 in Halle. Sein ach so gutes Herz war am Ende zu schwach.

Aber zurück zu den Gevattern. Sogar im Jugenclub in Halle Neustadt habt Ihr gespielt. Ein Novum damals und unvergessen. Welcher andere (FDJ)-Klub konnte schon von sich behaupten, ein Konzert von und mit Euch erlebt zu haben? Und dazu noch Besuche von Hedo aus Hamburg (zum 5-Jährigen Fliepi-Geburtstag, auf dem Foto zusammen mit “Quickborn”). Noch heute frage ich mich manchmal, wieso das alles so reibungslos über die FDJ-Bühne gegangen ist. Verbotene Bands und West-Besuche. Im FDJ-Klub.

Besonders jedoch Deine Frank-Wedekind-Nummer “Ich habe meine Tante geschlachtet” war noch Wochen, wenn nicht sogar Monate Gesprächsthema bei allen Gästen des Konzertes. Niemand zweifelte damals im Geringsten, dass Du diese Tat hättest auch durchaus begangen haben können. So überzeugend kam das rüber.

Aber auch Eure anderen Lieder gingen durch Mark und Bein. Die Gevatterncombo hatte es eben irgendwo besonders gut drauf. Und ließ sich eben auch nicht unterkriegen. Und anpassen schon gar nicht. Dazu hattet Ihr auch noch einen hervorragenden Bandoneon-Spieler. Der und dazu Deine Stimme, das war schon etwas ganz Besonderes. Einige Lieder haben wir später übernommen. Zuerst bei Fliepi in Halle und dann bei “Schreihals” in Erfurt. “Die Räuber aus dem Böhmerwald” und “Johann Meusel” gehören noch heute auf jeder unserer Partys zum Standard-Programm.

Lieber Jens-Paul Wollenberg, Du bist der Erste, den ich hier in einer losen Folge ”offener Briefe” geschrieben habe, Briefe an andere sollen folgen. Ich hoffe, Du bist noch lange mit viel Spaß auf Straßen und Bühnen unterwegs.

Hochachtungsvoll, dankbar und immer noch in großer Verehrung

Ole

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Lediglich ein Foto…

8. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

…oder auch nicht?

“Ich weiß, dass das, was gesagt wird, oft weniger wichtig ist, als der Ton, in dem Worte ausgesprochen werden. In jedem Gespräch ist Musik – unerklärliche Harmonien und Dissonanzen, die im Körper vibrieren wie eine Stimmgabel.”

Aus “Die Leiden eines Amerikaners” von Siri Hustvedt

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Nuss Püree & Dill oder Wollt Ihr das totale Sieb?

7. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Wollte ich schon immer mal verlinken. Absolute Spitzenklasse die beiden. Und hier für alle, die die Deutsche Kochschau von Stermann und Grissemann noch nicht kannten, ein Sahnestückchen:

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Der Letzte macht die Erleuchtung aus

6. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Die Tom-Cruise-Fans unter den Spatzen pfiffen es schon lange vom Dach, nun wollen es auch die Experten gehört haben: Die in Berlin maßlos überschätzen Anhänger der Irren-Gemeinschaft von Scientology wollen die deutsche Hauptstadt aufgeben. Der ganze Aufwand umsonst, alles Geld in den märkischen Sand gesetzt. Während Gegner und Kenner immer noch warnen, soll im Sekten-Haupthaus in der Berliner Otto-Suhr-Allee nun bald die L.-Ron-Hubbard-Erleuchtung ausgehen.

Auf dem Kudamm wird schon lange nicht mehr Stressgetestet. Zuerst lag die Vermutung nahe, dass es selbst den Dianetikern zu kalt geworden war. Temperaturen bei minus zehn Grad und kälter; Schnee, Eis und Glätte sind wohl keine guten Voraussetzungen um Lügenromane auf offener Straße zu verkaufen. Und wer will sich bei solchen Temperaturen ausgerechnet von diesen Rotjacken erklären lassen, dass er Stress hat?

Ein kleines Ufo wollten die Jünger Hubbards noch einmal mit Werbung bei den jüngsten Berlinern landen. Aber auch das war eher eine Bruchlandung, wenn nicht sogar ein Total-Absturz. An den erinnert übrigens auch die aktuelle Homepage. Der aktuellste Eintrag unter dem Link “Nachrichten” bezieht sich auf die 5. Gipfelkonferenz für Menschenrechte in New York.  Er beginnt mit den Worten. “Am vergangenen Wochenende trafen sich…” Die Konferenz fand im September 2008 statt… Tschüssikowski und Good Bye! Wir werden Euch nicht vermissen. Aber auch Eure Anwesenheit hat nicht wirklich wen interessiert.

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Zara und 8 Millionen Aufrufe

6. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Über acht Millionen Aufrufe bei Youtube für den Auftritt der zehnjährigen Zara Larsson aus Schweden. Man könnte jetzt sagen, davon träumen deutsche Casting-Stars. Das allerdings möchte ich bezweifeln. Ich denke her, die meisten DSDS-Bewerber träumen von 8, 80 oder vielleicht auch 800 Aufrufen. Okay, 8000. Alles andere wäre aber auch ziemlich vermessen. Aber auch acht Millionen für Zara waren für mich zunächst recht unglaubwürdig. Aber, nachdem ich mir´s angesehen habe, konnte ich´s schon verstehen. Bleibt zu hoffen, dass es mehr Musikfans als Pädophile waren.

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Der Pädophile, der Terrorist und das Parfümgeschwader

6. Februar 2010 · 1 Kommentar

Ich habe es wieder getan. Obwohl ich es mir schon mehrfach vorgenommen hatte. Du gehst nie wieder an einem Samstagvormittag in diese Schwimmhalle. Denn zum Schwimmen ist Samstagvormittag nicht viel Platz dort. So als ganz normaler Schwimmer, der in Ruhe seine Bahnen schwimmen möchte, ist man Samstag fehl am Platze. Der Samstagvormittag gehört den Terroristen, Pädophilen und den Parfümgeschwadern.
Zuerst kommt der Geruch. Kurz überm Wasser wabert er durch die ganze Halle. Eigentlich erhascht man hier ab und an einen Duft nach Duschlotion oder Sonnencreme. Aber das hier ist kein Duft mehr. Das ist eine Mischung aus Russki-Chanel und Pferdemist. Nicht die Nase wird gekitzelt, sondern der Geruch dringt bis tief in den Magen, leicht beginnender Brechreiz ist die Folge. Mich wundert es wirklich, dass hier noch keiner ins Becken gekotzt hat.
Ursprung dieser Puff-Stall-Mischung ist das, von mir so getaufte, Parfümgeschwader. Sechs Frauen um die 60, zusammen etwa eine Tonne schwer, bilden eine Kette und versuchen, während sie sich über Sonderangebote im Discounter unterhalten, sich irgendwie nebeneinander von der einen auf die andere Seite zu schieben. Mit Schwimmen hat das nichts zu tun. Eher mit Schwabbeln oder Wabbeln. Und weil Fett oben schwimmt, geht das auch ganz gut. Nur sehr, sehr langsam eben. Vier von sechs Bahnen sind somit blockiert.
Und, die Damen haben sich natürlich vorher so richtig eingedieselt. Jede ein anderes Parfüm, jedes schwerer als das andere. Zusammen ergibt sich dann dieser süßlich-eklige Geruch, der sich nun, da die Damen zwar ihre Köpfe, nicht aber ihre Hälse über Wasser halten können, über die gesamte Wasseroberfläche seine Opfer sucht.
Unbeeindruckt davon übt auf Bahn fünf ein Mann das “so lange wie möglich Luftanhalten” unter Wasser. Er hat eine Taucherbrille auf, sieht aus wie eine Mischung aus Achmed und Osama. Dabei fuchtelt er mit den Händen an der Beckenwand herum. Dann taucht er wieder auf, nimmt die Brille ab, stiegt über den Beckenrand aus dem Wasser. Um eine Sekunde später wieder hineinzuspringen. Das Spiel beginnt von vorn. Achmed setzt sich die Taucherbrille auf und geht unter Wasser. Wieder fuchtelt er mit den Händen, diesmal am Beckenboden, herum. Es sieht wirklich so aus, als übe irgendetwas unter Wasser. Vielleicht das Anbringen von Sprengstoff?
Nun, nach drei dergleichen Übungen, schwimmt Achmed los. Schwimmen ist allerdings etwas anderes. Achmed lässt die Beine nach unten hängen und rudert mit den Armen wild durchs Wasser. Was soll das? Nach kurzer Überlegung komme ich drauf. Natürlich: Achmed übt das Schwimmen ohne Beine. Warum? Er übt das für den Ernstfall. Wenn die Bombe zu früh hochging und er nun keine Beine mehr hat. Bahn fünf ist also auch blockiert.
Bleibt Bahn sechs. Doch auf Bahn sechs kann man eben leider nicht bis zum Ende schwimmen. Denn dort steht der, der immer dort steht. Der Mann, den ich noch nie schwimmen gesehen habe. Er steht immer nur in der Beckenecke. Mitte 40 vielleicht, dünn wie ´n Besenstiel. Er steht dort die meiste Zeit mit dem Rücken zum Becken mit Blick aufs Nichtschwimmerbecken. Er schaut nur dorthin, wo die kleinen Jungs planschen. Dass der hier überhaupt noch reingelassen wird, wundert mich von mal zu mal mehr. Mit seinem lichten Haarkranz um die beginnende Glatz erinnert er mich manchmal an einen Pfarrer aus irgendeinem Film. Pfarrer? Na klar! Es ist einer von diesen Lehrern. Ein Lehrer, der mit seinen kleinen Jesuitenschülern hier ist. Jetzt wird mir so einiges klar. Vor allem, dass ich nächstes Wochenende in eine andere Schwimmhalle gehen werde. Da treffe ich wenigstens alte Bekannte, mit denen ich gern auf einer Bahn schwimme.

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Linke Legasthenie oder Mir sin die milidande grubbe

5. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Dass sich die linksradikale Szene mit Brandsätzen bewaffnet ist allseits bekannt. Auch dass alle unterdessen begriffen haben, dass man das Internet als Plattform nutzen kann, ist nichts Neues. Neu war mir, dass jene scheinbar ihre Rechtschreibschwäche als Waffe einsetzen. Denn diese Aufmerksamkeit wurde einigen Spinnern aus Leipzig nur zuteil, weil sie davon so viel Gebrauch machten. Den aufmerksamen Internet-Beobachtern von ppq ist dies natürlich nicht entgangen. Aber wenn schon mit Rechtschreibschwäche, dann hätte ich an deren Stelle gleich im Dialekt geschrieben: Mir sin die milidande grubbe un faggeln luxus-schlidden ab.

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Soundtrack eines halben Lebens

4. Februar 2010 · 1 Kommentar

Nicht jeder Song, nicht jedes Lied hat Bedeutung für einen selbst. Doch jeder hat so seine Musik, die er mit seinem Leben verbindet. Wenn man dann viele seiner persönlichen Hits hintereinander hört, dann kommt es schon mal vor, dass man durch ein Stück eines halben Lebens wandert. Und das, wenn man eigentlich seine Bahnen in der Schwimmhalle zieht. Und das Glück hat, trotzdem Musik hören zu können.

So ging ich heute mit Freunden durch Halle. Irgendwann Mitte der 80er. “Soldier of Fortune” von Deep Purple hieß die Fahrkarte in die Saalestadt. Freunde aus Jena waren da. Zuerst ging es in die “Goldene Rose”. Gebackenen Camembert essen. Dann weiter in den Turm. Später landeten wir noch in der Wohnung einer Freundin. Gleich hinter der Oper. Was dann geschah, bleibt ungewiss.

Denn “Little Girl” von den H-Blockx katapultierte mich zwanzig Jahre weiter nach Erfurt. Ich steh hinterm Tresen, Montagabend. Die Kneipe ist halb voll. Die meisten trinken Bier, einige halten sich schon den ganzen Abend an einem Milchkaffee auf. H-Blockx tönt aus den Boxen und einer der Stammgäste will immer das eine Lied hören: “Risin`High”. Später dann, als gegen eins sich die Kneipe langsam leert, hören wir es uns noch ein paar Mal an.

Und schon geht´s wieder zurück. Aber diesmal nur in der Zeit. Ich bin immer noch in Erfurt und bei “Friday on my mind” von Gary Moore sitze ich auf einmal im jenem Café, das damals jeden Sonntag der Treffpunkt war. Nach jeder Party in der Partywohnung ging es dorthin. 15 Uhr machte der Laden auf. Vorne die Omchen mit Kaffee und Kuchen, hinten an der Bar die Jungs mit Whisky, Weinbrand und anderen diversen Getränken. Später am Abend dann, wenn das Kaffeekränzchen vorn vorbei war, ging dahinten die Post ab. Heavy Metal aus den Boxen, Falkner aus den Gläsern. Bis zum Abwinken. Manchmal auch bis Montagmorgen.

Und dann, zu “Wild Horses” von den Rolling Stones,  sitze ich auf einmal im Zug. Weiß nicht wohin, woher. Aber es ist ein Zug mit grünen Sitzen und großen Abteilen. Linksn und rechts jeweils zwei gegenüberliegende Zweierbänke. Also DDR-Zeit. Der Zug voller Studenten. Dann könnte es eine Sonntagabend-Fahrt von den Eltern zurück nach Erfurt gewesen sein. Ein Freund, der damals in Weimar studierte, fuhr ab und an im gleichen Zug. Er sitzt mir gegenüber, wir trinken Helles aus der Flasche, rauchen Karo.

Dann doch wieder Halle. Besser gesagt Halle Neustadt. Neubauwohnung. Wir sind zu zweit, es läuft “Bohemian Rhapsody” von Queen. Wir malen. Oder zeichnen. Nein, jetzt wird es deutlicher. Wir vergrößern Bilder  mittels eines Storchenschnabels. Jimi Hendrix, Che Guevara. Dann folgt ein Song der Foo Fighters. Doch gerade, als sich der Film im Kopf aufbaut, ist Schluss. Feierabend in der Schwimmhalle. Alle müssen raus aus dem Wasser. Wieder 1000 Meter geschafft, wieder schöne Erinnerungen hervorgeholt. Bis zum nächsten Mal. Fortsetzung folgt…

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